
HINTERGRUND
Zukünftige Klimaveränderungen beeinflussen den Wasserhaushalt, insbesondere durch Veränderungen der Niederschläge und Temperaturen. Diese Entwicklung hat auch Folgen auf die Nutzungsmuster von Wasser, beispielhaft wird hier die Bewässerung in den Fokus genommen. In Deutschland sind Veränderungen im Bewässerungsbedarf sowohl in der Stadt als auch auf dem Land zu erwarten: Zukünftig könnte mehr Wasser zur Bewässerung benötigt werden. Dieses Thema wird in Modul B am Beispiel der Stadt und des Landkreises Heilbronn adressiert. Im städtischen Kontext liegt dabei der Fokus auf Konzepten der Wassernutzung für städtisches Grün zur Kühlung und Erholung, sowie zum Umgang mit Starkregenereignissen (Stichworte Hitze, Versiegelung, “Schwammstadt”), im ländlichen Kontext geht es neben der Landschaftspflege vor allem um Ertrags- und Qualitätssicherung landwirtschaftlicher Kulturen sowie um die Sicherung guter Bodenverhältnisse (Stichworte Trockenheit, Dürre, Verdichtung/Erosion, Biodiversität). Übergreifend werden auch die Herkunft des Wassers sowie diesbezügliche Herausforderungen an Infrastrukturen und Ökosysteme mit aufgegriffen.
| Bewässerungsfokus | Nutzung | Typische Landschaft | Herausforderungen |
| Landwirtschaft, z.B. Feldfrüchte, Sonderkulturen | Nahrungs- und Genussmittel, teils Tourismus/Freizeit | Äcker, Hanglagen (inkl. Terrassen) | Trockenheit, Zugang zu Wasser, Entnahmegenehmigungen |
| Städtisches Grün | Erholung, Kühlung, Verbesserung der Luft- und Aufenthaltsqualität | Parks, Gärten, Restflächen, Gebäudedächer und -wände | Politischer Fokus, Anforderungen der Bürger, Vereinbarkeit mit anderen Raumnutzungen |
FRAGESTELLUNGEN
- Wie wirken Maßnahmen verschiedener Akteure und Kontextentwicklungen aufeinander?
- Wo lassen sich Synergien in den Wechselwirkungen verschiedener Policies finden?
- Wie wirken sich Entscheidungen der Akteure auf die Konflikthaftigkeit von Bewässerung aus?
- Welcher Erkenntnisgewinn kann durch verschiedene Auswertungsansätze desselben Modells erfolgen?
PARTIZIPATIVE MODELLIERUNG
Der umfassende und kontinuierliche Einbezug von Akteuren trägt maßgeblich zur Erstellung eines Modells zukünftiger Bewässerung und eventueller Konflikte bei. Über bisher bekannte und eher allgemeine Strategien hinaus wird ein lokal spezifisches und detailliertes Modell aus Policy-Interaktionen verschiedener Akteure gebaut. Systemische Zusammenhänge werden hierbei nachvollziehbar und transparent dargestellt. Die Zusammenarbeit der beteiligten Akteure* erfolgt für dieses Projekt erstmals in dieser heterogenen Zusammensetzung. Das Modell wird sowohl algorithmisch als auch in Form eines interaktiven Planspiels getestet, ausgewertet und analysiert.
EINBLICKE
Durch den interaktiven Einbezug von Expertinnen aus Wissenschaft und Praxis wird einerseits der Austausch verschiedener Wassernutzer angeregt, andererseits werden mögliche Handlungsoptionen der verschiedenen Akteure in ihrer Komplexität sichtbar gemacht. In den im Projekt durchgeführten Interviews und Workshops zeigt sich, dass bislang kaum eskalierende Konfliktfälle bekannt sind, aber gleichzeitig das Problembewusstsein über mögliche zukünftige Konkurrenzen hoch ist. Neben Interessenkonflikten um die Ressource Wasser fließen auch Argumentationslinien der Akteure zu Zusammenarbeit, Abstimmung und Umsetzung neuer Strategien („Governancekonflikte“) in die Analyse mit ein.
*An der ausgewählten Fallstudie sind beteiligt: Landwirte, Bauernverband, Weingenossenschaften, Behörden und Verwaltung auf Stadt- und Landkreisebene, regionale Wasserversorger, Fernwasserversorgung, Naturschutzorganisationen. Darüber hinaus Wissenschaftler*innen verschiedener Disziplinen (Hydrologie, Klimaforschung, Bewässerung, Sozialwissenschaften). Ihnen allen danken wir an dieser Stelle für die intensive und konstruktive Zusammenarbeit.
